Kurzantwort: Bleirohre wurden bis in die 1970er Jahre in deutschen Altbauten verbaut. Sie sind ein Gesundheitsrisiko, weil Blei ins Trinkwasser übergehen kann. In Hamburg gilt seit 2013 ein Grenzwert von 0,01 mg/l. Wer Bleirohre hat, sollte sie austauschen lassen - das geht ohne grossen Aufwand durch Relining oder klassischen Rohrtausch.
Wann wurden Bleirohre verbaut?
Blei war über Jahrhunderte das bevorzugte Material für Wasserleitungen - formbar, korrosionsbeständig und haltbar. In deutschen Wohngebäuden wurden Bleirohre bis etwa 1960 in grossen Mengen verbaut, vereinzelt auch noch bis in die frühen 1970er Jahre. Ältere Hamburger Häuser (Baujahr bis ca. 1965) können davon betroffen sein, insbesondere in Altona, Eimsbüttel, Wandsbek oder der Innenstadt.
So erkennen Sie Bleirohre
Sichtprüfung
Schauen Sie sich zugängliche Leitungsabschnitte im Keller oder unter der Küche an:
- Farbe: Bleirohre sind grau und mattglänzend, mit der Zeit dunkler oder leicht bläulich.
- Oberfläche: Im Unterschied zu Kupfer (rotgold) und Stahl (grau-glänzend) ist Blei weich und lässt sich mit dem Fingernagel leicht einritzen.
- Klang: Klopfen Sie mit einem Metallgegenstand auf das Rohr. Blei klingt dumpf und matt, Kupfer heller und metallischer.
- Biegungen: Bleirohre haben oft charakteristische, handgebogene Bögen - keine maschinellen 90-Grad-Winkel.
Labortest des Trinkwassers
Der sicherste Weg ist ein Trinkwassertest. Lassen Sie beim ersten Morgenwasser (Stagnationsprobe, nach mind. 4 Stunden Stillstand) eine Probe nehmen und von einem akkreditierten Labor auf Blei untersuchen. Viele Hamburger Wasserlabore bieten diese Analyse für ca. 30-80 Euro an.
Gesundheitsrisiko von Bleirohren
Blei ist ein kumulatives Gift - es sammelt sich im Körper an. Selbst geringe Bleimengen können bei Kindern die Gehirnentwicklung beeinträchtigen. Bei Erwachsenen stehen erhöhte Bleiwerte mit Blutdruck-Erkrankungen und Nierenschäden in Zusammenhang.
Der EU-Grenzwert für Blei im Trinkwasser liegt seit 2021 bei 0,005 mg/l, der deutsche Übergangsgrenzwert noch bei 0,01 mg/l (Trinkwasserverordnung). Wenn Ihr Leitungswasser diesen Wert überschreitet, besteht dringender Handlungsbedarf.
Hinweis: Das Trinkwasser, das Hamburg Wasser aus dem Wasserwerk liefert, ist bleiarm. Die Belastung entsteht ausschliesslich durch bleihältige Hausinstallationen.
Überbrückungsmassnahmen bis zur Sanierung
Falls ein Rohraustausch nicht sofort möglich ist:
- Lassen Sie vor dem Trinken immer 2-3 Liter Wasser ablaufen (entfernt stagnierendes Wasser aus den Leitungen).
- Nutzen Sie einen zertifizierten Wasserfilter (Festeinbau-Filter nach DIN EN 13443-2 mit Bleifilterleistung).
- Verwenden Sie für Säuglingsnahrung und Kochen nur abgelaufenes oder gefiltertes Wasser.
Sanierungsoptionen
Klassischer Rohraustausch
Die verlässlichste Lösung: Die Bleirohre werden vollständig entfernt und durch Kupfer- oder Kunststoffrohre ersetzt. Je nach Zugänglichkeit erfordert das das Öffnen von Wänden oder Böden.
Grabenlose Sanierung (Relining)
Bei schwer zugänglichen Leitungen ist das Inliner-Verfahren (§ Rohrsanierung ohne Aufgraben) eine Alternative. Ein Kunstharz-Liner wird von innen eingebracht und härtet aus. Das Blei kommt nicht mehr mit dem Wasser in Berührung - ein anerkanntes Verfahren nach DVGW-Standard.
Kosten und Förderung
- Rohraustausch (eine Wohneinheit): ca. 2.000-6.000 Euro je nach Leitungslange und Zugänglichkeit
- Relining Trinkwasserleitung: ab ca. 1.500 Euro
- Trinkwassertest: ca. 30-80 Euro
In Hamburg gibt es keine spezifische Bleirohrsanierungsförderung des Landes, aber manche Bezirke informieren über zinsgünstige KfW-Kredite für energetische und sanitäre Sanierungen. Fragen Sie beim Hamburger Umweltservice oder beim Bezirksamt nach.